Abnehmen beim Laufen?
Bewegungs-Unlust,
Leistungsabfall, erhöhter Puls, Knieschmerzen
–
Übergewicht könnte eine Ursache sein. Stellen Sie sich
einfach mal die Strapaze eines Ausdauerlaufs mit einem 10 Kilo schweren
Rucksack vor. Also noch mehr laufen, damit die verhassten Pfunde
purzeln? Das ist die falsche Einstellung. Nicht laufen um abzunehmen,
sondern abnehmen um besser zu laufen! Der Zeiger der Waage ist weder
ein ausreichendes Motiv, noch ein Gradmesser für
Lebensqualität. Diese besteht in der Fähigkeit,
körperlich und geistig aktiv zu sein.
Laufen wird vielfach als probates Mittel zum Abnehmen empfohlen, der
Energieumsatz allerdings stark überschätzt. Um die
Kalorienmenge einer Packung Erdnüsse (100 g) zu verbrennen,
müssen Sie eine Stunde in straffem Tempo (5 min/km) laufen. Und
selbst nach dem Marathonlauf stellen Sie die Energiebilanz mit einem
üppigen Menü in der nächstbesten Pizzeria wieder glatt.
Energiebilanz entscheidet
Zieht
man Frauenzeitschriften
oder
diverse Ernährungsbücher zu Rate, scheint Abnehmen eine
ziemlich komplizierte Angelegenheit zu sein. Es wimmelt von
Schlagworten: low-fat, low-carb, food combining... Wie die Vokabeln
schon ahnen lassen, stammen solche Patentrezepte meist aus dem
Mutterland der falschen Ernährung, den USA. Lassen Sie sich nicht
einnebeln. Das thermodynamische Grundprinzip lässt sich nicht
austricksen: Wer abnehmen will, muss mehr Energie verbrauchen als zu
sich nehmen! Unser Organismus ist entwicklungsgeschichtlich auf
Vorratswirtschaft programmiert. Jede nicht abgerufene Kalorie lagert er
sorgsam ein – und zwar in die ungeliebten Speckpölsterchen. Denn
ein Gramm Fett speichert die neunfache Energiemenge anderer
Energieträger (Eiweiße, Kohlenhydrate).
In kurzer Zeit ein paar überflüssige Kilo loszuwerden, ist
relativ einfach und gehört für Leistungssportler oder
Bühnenkünstler zum beruflichen Alltag. Für den
Normalverbraucher ist es erst mal ein entbehrungsreiches Abenteuer. Am
Anfang sollten Sie sich einmal über Ihren individuellen
Energiebedarf und den Energiegehalt verschiedener Lebensmittel
informieren. Dazu gibt es im Internet viele gute Seiten, zum Beispiel
Eine Faustregel lautet: Um ein Kilogramm Fett zu verlieren, müssen 7000 Kilokalorien vom Speisezettel verschwinden. Sie dürfen auch in dieser Phase alles essen, nur eben deutlich weniger. Selbst ein paar Tage Null-Diät führt bei gesunden Menschen nicht gleich zu den gefürchteten Mangelerscheinungen, die von gütigen Großmüttern heraufbeschworen werden.
Wenn der Hammer kommt
Warum noch Laufen, wenn es eine Kaloriendiät auch tut? Muskeltraining ist in dieser Phase besonders wichtig. Bevor es an die Fettvorräte geht, wird nämlich Muskelmasse, also körpereigenes Eiweiß abgebaut. Dagegen hilft nur Training. Das hat mit den unterschiedlichen Energiequellen unseres Körpers zu tun. Am einfachsten versorgt sich der Organismus mit Energie aus der Umwandlung von Kohlenhydraten, die in den meisten Speisen in Form von Fruchtzucker oder Stärke vorhanden sind. Der Körper befindet sich im „Normalbetrieb“ und ist in der Lage, schnell große Energiemengen zu mobilisieren. Erst wenn dieser Treibstoff verbraucht ist, sieht er sich nach anderen Energiequellen um. Marathonläufer wissen, dass ungefähr bei Kilometer 30 der „Mann mit dem Hammer“ wartet. Das ist ein gefürchtetes Leistungstief mit weichen Knien und Schwindelgefühl. Warum schaffen es die meisten dann doch noch bis ans Ziel? Weil die Kohlenhydratvorräte erschöpft und der Körper deshalb seinen Betriebsmodus gewechselt, den Fettstoffwechsel aktiviert hat. Die Maschine läuft wieder an, wenn auch mit reduzierter Leistung.
Mythos Fettverbrennung
Unter
Walkern und Gelegenheitsläufern kursieren hartnäckig
Legenden vom gemütlichen „Fettverbrennungstempo“ oder vom angenehm
niedrigen „Fettverbrennungspuls“. Leider entspringen diese nur der
Unlust, auch einmal stärkere Belastungen zu trainieren.
Sportmedizinisch sind sie längst widerlegt. Unser Körper
verbraucht ständig Energie, sogar im Schlaf. Und die nimmt er sich
bei allen Belastungen von dort, wo er sie am einfachsten bekommen kann.
Fakt ist: Der Fettstoffwechsel
ist für die Ausdauerleistung wichtig und lässt sich am besten
auf langen Strecken trainieren. Aber auch beim sogenannten
Nüchternlauf vor dem Frühstück, wenn der
Kohlenhydratspeicher leer ist, wirft der Körper schon nach kurzer
Zeit die legendäre „Fettverbrennung“ an. Jetzt heißt es nur
noch durchhalten, denn der Körper stellt die Energie zwar
langsamer, aber dafür sehr dauerhaft bereit – eben im
Langstreckenmodus!
Leistungsläufer besitzen
kein überflüssiges Gramm Fett am Leib. In der Trainingsphase
trimmen sie ihren Fettstoffwechsel mit fettreicher und fast
kohlenhydratfreier Nahrung auf Dauerbetrieb. Erst kurz vor dem
Wettkampf wird dann auch noch der Kohlenhydratspeicher mit diversen
Energie-Konzentraten oder einfach einem Teller Nudeln aufgeladen. Alle
Batterien des Körpers sind jetzt aktiviert. Für uns mehr oder
weniger gut gepolsterte Freizeitläufer ist das nicht zur
Nachahmung empfohlen. Es bedeutet lediglich, dass man mit leerem Magen
den Ausdauerstoffwechsel effektiver trainiert. Eine Mahlzeit sollte
deshalb erst nach dem Lauf eingenommen werden.